Zweimal pro Woche verschickt unser Chef (Herr Dipl.Ing.agr.trop.subtrop) Volker Weber die aktuellen Angebotslisten an seine Großmarktkunden.

Je nach Zeit und Stimmung kommen diese dann auch in den Genuß seiner Gedanken über Bio Anbau im Allgemeinen und im Besonderen, aktuelles Zeitgeschehen, den letzten Kino- oder Restaurantbesuch oder was auch immer ihm gerade durch den Kopf geht.

Wenn Volker mal die Muse fehlt, einen kleinen Text beizufügen, erreichen uns inzwischen Protestschreiben und die Umsätze gehen zurück.

Deshalb, und weil man von ihm echt was lernen kann, möchten wir Ihnen einige Bonbons von "Volkers weisen Worten" auf keinen Fall vorenthalten! 

Vorab noch eine kurze Selbst-Charakterisierung vom Chef:  

 "Meine Spezialtität ist glaub' ich unheimlich viel zu arbeiten und damit unheimlich wenig Geld zu verdienen. Ja, das können sie, die Biobauern! Dazu passt mein Motto "Man muss einfach leben damit andere einfach leben können." 

(Kleiner Tipp und mein persönliches Highlight: 9.10.08 "die Schnittlauchlizenz" - ungelogen!)

 


 

Überschrift anklicken, um zu den weisen Worten zu gelangen

nach oben


12.04.08 Kernlose Trauben...

"...Was für ein netter Samstag! Ohne Ferienflaute, ohne Dauerregen, ohne Schnee... nett eben.Naja, ich hatte schon vor einigen Tagen einer Kundin versprochen mich um das Wetter zu kümmern, aber vorher hatte ich einfach keine Zeit (sorry Uschi!). Aber eigentlich musste ich auch gar nicht viel machen, weil am 12. April immer gutes Wetter ist. Das ist statistisch belegt, weil meine Frau heute Geburtstag hat!...  

...Schön auch, dass es wieder kernlose Trauben gibt. Eigentlich finde ich "normale" Trauben besser, und die haben nun mal Kerne, aber die heutige Jugend scheint da ganz anderer Meinung zu sein. Stimmt da nun etwas mit den Trauben nicht, weil die Kerne haben, oder stimmt da etwas mit den Menschen nicht.

Ich bin als Kind nicht auf die Idee gekommen Kerne in Trauben könnten irgendwie komisch, unapetittlich oder sonstwie störend sein. Aber da gab es auch nur "normale" Trauben. Ich glaube wir sind furchtbar verwöhnt und das hat manchmal einen höheren Preis als wir im ersten Moment ahnen. Es ist vielleicht nur eine Frage der Zeit bis Monsanto und Co mit Hilfe der Gentechnik mit Produkten versorgen, die unseren Kindern bald so normal vorkommen, dass sie normale Lebensmittel ablehnen.

"Kirschen mit Stein essen meine Kinder nicht, - die sind ja auch gefährlich, weil man sich damit das Gebiss ruinieren kann, wenn man draufbeist"

Letzte Woche wurde ein Acker mit gentechnisch veränderter Gerste der Uni Gießen von Gentechnik Gegnern besetzt. Den Professor kümmerts wenig. Er wird den Versuch in die USA auslagern. Da braucht man noch nicht einmal eine Genehmigung für derartige Eskapaden. 

Guten Appetit und eine schöne Woche wünscht

 Volker Weber" 


nach oben

26.04.08 zum Thema Arbeitszeiten in der Landwirtschaft

"Ei da isser ja, der Frühling. Na bitte!                                                             

Nachdem unsere Hof-Mitarbeiter in den letzten Wochen nur noch Kartoffeln und Möhren sortiert haben und manchmal um 15:00 Uhr Feierabend hatten, gibt es im Moment eine drastische Arbeitszeitexpansion. Es wird gepflanzt und gesät was das Zeug hält! Die Wochenarbeitszeit wird dann im Handumdrehen von 30 auf 80 Stunden flexibilisiert. So war es schon immer in der Landwirtschaft und so wird es hoffentlich auch bleiben.

Ich finde es gar nicht unmenschlich, wenn es Arbeitsplätze gibt, die sich nicht in öde 39-Stunden Muster konfektionieren lassen und ich glaube nicht, dass unsere Mitarbeiter sich dabei unwohler fühlen, als die meisten anderen. Das Problem sind weniger die Arbeitszeiten, als die Stundenlöhne. Da sich der  Biomarkt zunehmend in konventionelle Strukturen begibt, steigt auch der Druck auf die Lohnkosten. Der Preiskrieg, wie er im konventionellen Lebensmitteleinzelhandel durch die Discounter angeheizt wurde, ist noch nicht zum Biosegment durchgedrungen, aber wie lange dauert das noch? Noch gibt es genügend Erzeuger, die nicht existenziell mit den Einzehandelsketten verbandelt sind, aber das wird sich in den nächsten Jahren ändern. Bleibt zu hoffen, dass die Bioerzeuger es schaffen, den verantwortungsvollen Umgang, den sie mit der Natur pflegen, in die Handelsbeziehungen zu übertragen. Fairer Handel ist bei uns genauso wichtig, wie in Afrika und Lateinamerika. Wenn Bauernvertreter die Verbraucher auffordern die Milch in den Dicountern stehen zu lassen, ist das mehr als „jammern auf hohem Niveau“.... 

...Mir fällt gerade auf, daß mein Prolog prima zum Tag der Arbeit passt. Das war keine Absicht, aber bestimmt auch kein Zufall.

In diesem Sinne wünsche ich eine außerordentlich arbeitsreiche Woche ohne ausbeuterische Auswüchse (Selbstausbeutung eingeschlossen!). 

Volker Weber"

 

 

nach oben


 

13.08.08 zum Thema Oper

"....Blumenkohl und Brockoli freuen sich auf den tollgrünen Feldern über den langersehnten Regen. Wir hoffen auf eine gute Qualität für die Herbstsaison. Im Moment sind zwar einige Mengen lieferbar, die Größe ist aber unterdurchschnittlich. Man sieht den Kollegen die Durststrecke noch etwas an, aber der Trend geht ja sowieso zu kleineren Portionen und beim Brockoli nimmt man halt zwei. Das klappt bei den Süßwaren ja auch ganz gut...

Mehr fällt mir im Moment auch nicht ein. Das könnte allerdings auch an daran liegen das mir die 2 Stunden Schlaf doch nicht ganz gereicht haben. Dafür bin ich um die Erfahrung einer Nibelungen-Aufführung vorm Wormser Dom reicher. Ich bin kein Profi im Festspielgeschäft, aber mir hat es sehr gut gefallen. Nicht ganz klar ist mir, warum die Helden bei den modernen Aufführungen ständig Zigarillos rauchen müssen. War das zu Siegfrieds Zeiten in? Rührt der Name "Nibelungen" am Ende nicht von dem Drachentier, sondern von den Nebellungen der Protagonisten? Wer weiß...

Ich geh jetzt besser mal eine Runde auf die Couch...

 

schöne Woche und gute Verkäufelinge 

Volker Weber"


 

nach oben

29.08.08 Thema Kartoffelernte bei Tollgrüns 

"....Währendessen schreitet die Kartoffelernte auf den tollgrünen Feldern mehr oder weniger mühsam voran. Bei trockenem Boden entstehen nämlich viel mehr Klumpen, die nicht durch die Siebe des Vollernters fallen. Die landen dann mit den Kartoffeln auf dem Sortierband bevor sie in den Bunker plumpsen und müssen von Hand abgesammelt werden. Je mehr Gas der Schlepperfahrer gibt, desto schneller laufen die Bänder und umso schneller müssen die Finger der Sortiermannschaft fliegen um die Klumpen rauszusammeln. Wenn es so trocken ist wie zurzeit, gibt das Stress und man muss gleich mehrere Gänge herunterschalten (Schlepper haben so etwa 20-40 Gänge!) um sich nicht allerlei osteuropäische Flüche einzufangen. Sowas ist nicht gut fürs Karma! 

Das trockene Wetter mit den warmen Nächten hat aber auch Vorteile. Das Unkraut wächst nicht ganz so schnell wie sonst, worüber sich das Hackpersonal freut. Außerdem sind die späten Kartoffelsorten erstaunlich lange gesund geblieben. Das Laub ist noch immer nicht ganz abgestorben und somit wachsen die Kartoffeln noch. Die Ernte wird also im Vergleich zum Vorjahr ganz gut und gesund werden. 

Das war der Ausflug für unsere Knollenfreunde. 

Auch den Nudelessern wünsche ich ein schönes erholsames Wochenende und den Wochenmarktbeschickern ein dreifaches „Haltet durch“! 

Tschüss bis Mittwoch" 

 

nach oben


 

17.09.08 Chef versus Microsoft

".....Die Obst- und Gemüseliste ist wieder „upgedatet“ (was für ein Wort…!) mit den neuesten Infos für die zweite Wochenhälfte.

Mittwochs könnte ich auch manchmal ein update gebrauchen…Da ich eine lizensierte Vollversion bin, dürfte das eigentlich erschwinglich sein. Andererseits bin ich nicht bei Microsoft registriert, was die Sache widerum deutlich erschweren dürfte. Naja, es wird auch noch mal so gehen, getreu dem alten Hackerspruck: „never change a running system“!

Wie dem auch sei: ab morgen geht es wieder rund im Karton und dann sind die letzten drei Tage ruckzuck vorbei...."


 

nach oben

9.10.08 die Schnittlauchlizenz

"...Nachdem ich mich den halben Vormittag mit dem Erwerb einer „Schnittlauchlizenz“ beschäftigt habe, kommt jetzt endlich die neue Preisliste. Hintergrund ist die neue Kräuterlieferung aus Albanien, die durch den Zoll muss. Nach mehrstündigen Telefonaten war endlich der Bürokratieberg abgetragen bis mich ein netter Herr vom Zoll anrief um mir mitzuteilen, dass ich für Schnittlauch eine Lizenz brauche, die beim Bundesministerium für Landwirtschaft beantragt werden muss. 

Vermutlich kann man aus Schnittlauch irgendwelchen biologischen Sprengstoff herstellen, oder frisch gehackter Schnittlauch wird in angesagten Discotheken unter der Theke als Designerdroge gedealt. An mir geht so was ja immer vorbei… bis jetzt!

Also bestelle ich bei einem Verlag in Frankfurt einen Antrag auf Erteilung einer Schnittlauchlizenz, den ich mit allerlei Kennziffern versehen (die ich mir aus endlosen Listen im Internet raussuchen durfte) an eine sehr bestimmte Dame beim BLE faxe. Aber bitte nur mit Schreibmaschine ausgefüllt – handschriftlich geht das nicht durch! Leider habe ich bei einer Kennziffer zwei Nullen vorangestellt, weil das im Internet so steht, was aber so nicht in den Antrag gehört. Also fülle ich nach einer netten aber bestimmten Belehrung der Frau vom BLE den Antrag noch mal „ordentlich“ aus, und siehe da. Schon habe ich eine Schnittlauchlizenz, die ich dann der Zollbehörde in Frankfurt zuschicken kann, damit die bei jeder Schnittlauchlieferung auf der Rückseite die Menge eintragen kann. Wenn die Rückseite voll ist oder 3 Monate rum sind, beginnt das Spielchen von vorne. Eigentlich alles ganz logisch, oder?! Da kann doch keiner behaupten die deutsche Bürokratie sei irgendwie merkwürdig oder so!  

Also, wenn Sie Schnittlauch von einem lizenzierten Verkäufer kaufen wollen, sind Sie bei uns richtig.  

Viel Spaß beim Bestellen und immer schön ordentlich alles notieren, gelle!..."                           

 


 

nach oben

15.10.08 kleiner Exkurs 'Salate im Bio-Anbau'

"....Freilandsalate gibt es noch eine recht breite Palette. Die Köpfe sind jetzt nicht mehr so groß wie im Sommer, da die Tageslänge inzwischen nur noch wenig Wachstum zulässt. Der begrenzende Faktor beim Biosalatanbau ist aber der „falsche Mehltau“; ein Pilz der die Pflanzen vom feuchten Boden aus befällt und hässliche Blätter auf den unteren und später auch auf den restlichen Blättern hinterlässt, die sich immer stärker verfärben. Im konventionellen Anbau kann man hier durch Fungizide (Spritzmittel gegen Pilzkrankheiten) dagegenhalten, was die Anbaudauer natürlich deutlich verlängert.

Im Bereich der Blatt- und Kopfsalate gibt es zwar einige Sorten mit Restistenzen gegen den Mehltaupilz, aber dieser ist extrem Anpassungsfähig und durchbricht die Resistenzen oft noch im ersten Anbaujahr. Die Züchter und Anbauer liefern sich daher einen ständigen Wettlauf mit der Natur. 

Schlauer ist es daher, sich auf andere Salate zu verlegen, die naturgemäß in den Herbst gehören. Das sind z.B. Endivien, Zuckerhut und Feldsalat. Letzterer wächst auch noch bei wenig Licht und kühlen Temperaturen und hat mit falschem Mehltau viel weniger Probleme als so ein weichblättriger Kopfsalat. 

Typische Herbstspezialisten sind alle Kohlarten. Auch der Broccoli, den viele Kunden für ein reines Sommergemüse halten, weil es an Italien erinnert. Bei ruhigem, warmen, nicht zu feuchtem Herbstwetter fühlt sich der Wohl am kohlsten...."

 


nach oben

22.10.08 Bankenkrise und regionale Wirtschaftskreisläufe für Dummies

"....Es geht bergauf! Zumindest zählen die gängigen Ausreden wie „Ferienflaute“ usw. nicht mehr. Die Ferienzeit ist endgültig durch und ab jetzt wird wieder zuhause gegessen!

Vielleicht hilft die „Bankenkrise“ uns dabei ein Bewusstsein zu schaffen für die Vorteile regionaler Wirtschaftskreisläufe. Eigentlich ist es ganz einfach: 

Frau Lichtblick kauft im Gemüseladen „Frischauf“ regionales Gemüse für die Betriebsfeier ihres Elektrogeschäftes ein. Wenn beim Gemüsehändler ein Licht ausgeht, kauft er seine Ersatzbirne natürlich bei Frau Lichtblick. Soweit ganz nachvollziehbar. Der regionale Bauer wird die Ananas für seine Oma natürlich auch bei seinem Kunden, dem Gemüsehändler kaufen, aber für die Glühbirne geht er zum Megamarkt und schafft sein Geld dadurch zum größten Teil nach Hintertupfingen, wo niemand den Gemüsehändler „Frischauf“ kennt. Sein Einkauf stärkt also die Hintertupfinger Firmenbosse, die das Geld in den USA anlegen. Dadurch hat der regionale Bauer zwar eine billigere Glühbirne, aber weniger Absatz. Der Gemüsehändler und die Frau Lichtblick natürlich auch.

Was mit dem Geld in den USA passiert, steht in der Zeitung…......"


 

nach oben

1.11.08 Prinzip Rosenkohl 

"...Damit es richtig Herbst werden kann, haben wir die Rosenkohlernte eröffnet. Dir Röschen müssen leider immer erst etwas zittern, um Bitterstoffe in Zucker umwandeln zu können. Nach richtig kalten Temperaturen schmeckt Rosenkohl darum am besten (wenn er nicht erfroren ist).

Wenn man die biologischen Prozesse im Rosenkohl auf die menschliche Biologie übertragen kann, wäre es eine gute Idee beim nächsten Ehekrach oder sonstigem Ärger die Badehose anzuziehen und eine Runde um den Block zu laufen (nur im Winter versteht sich). Das müsste theoretisch Wutmoleküle umwandeln und aus dem Miesepeter ein Schnuckiputzi machen.  

Probieren Sie es aus. Ich freue mich über Erfahrungsberichte! 

Süße herbstliche Tage wünscht 

Volker Weber...."


 

nach oben

09.11.08 Möhrenernte bei Tollgrüns

Aus der Region gibt es weiterhin tollgrünen Feldsalat, Broccoli und Blumenkohl. Bei dem milden relativ trockenen Wetter bleiben die Bestände zum Glück sehr schön.

Wenn es wie erwartet trocken bleibt, könnte morgen die Möhrenernte auf dem größten tollgrünen Möhrenfeld fertig werden. Ich muss unbedingt mal Fotos von dieser Aktion machen. Da der Boden dort ziemlich feucht ist, muss der Möhrenroder nach jeder 2. Reihe vom gröbsten Matsch befreit werden, damit er sich weiter dreht. Nach 4,5 ha gehen da alle auf dem Zahnfleisch. Danach kommt zum Glück nur noch ein kleinerer Acker mit den späten Rodelika Möhren und dann ist das gröbste geschafft.

Immer wenn jemand meint, die Möhren müssten neundreiviertel Cent billiger sein, sehe ich einen eingematschten Möhrenroder vor mir und wünsche mir, dass alle Einkäufer einem Erntetag auf dem Acker absolvieren müssten. Ich wette es würden sich einige Preise mindestens verdoppeln.

Aber das ist wohl ziemlich unrealistisch. 

Ein schönes erholsames Wochenende wünscht 

Volker Weber....."


 

nach oben

10.12.08 Gedicht zur Bankenkrise

".....Heute gibt es zur Preisliste statt diverser Ungreimtheiten mal etwas gereimtes!

Ein netter Kunde hat mir das heute gemailt (vielen Dank nach Marburg!) und es gefällt mir so gut, dass ich es gleich weiterschicken möchte.  

Man beachte das Veröffentlichungsdatum (bitte erst lesen, dann staunen) 

Wenn die Börsenkurse fallen,
regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf:
Ihr Rezept heißt Leerverkauf.

Keck verhökern diese Knaben
Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz los,
den sie brauchen - echt famos!

Leichter noch bei solchen Taten
tun sie sich mit Derivaten:
Wenn Papier den Wert frisiert,
wird die Wirkung potenziert.

Wenn in Folge Banken krachen,
haben Sparer nichts zu lachen,
und die Hypothek aufs Haus
heißt, Bewohner müssen raus.

Trifft's hingegen große Banken,
kommt die ganze Welt ins Wanken -
auch die Spekulantenbrut
zittert jetzt um Hab und Gut!

Soll man das System gefährden?
Da muss eingeschritten werden:
Der Gewinn, der bleibt privat,
die Verluste kauft der Staat.

Dazu braucht der Staat Kredite,
und das bringt erneut Profite,
hat man doch in jenem Land
die Regierung in der Hand.

Für die Zechen dieser Frechen
hat der Kleine Mann zu blechen
und - das ist das Feine ja -
nicht nur in Amerika!

Und wenn Kurse wieder steigen,
fängt von vorne an der Reigen -
ist halt Umverteilung pur,
stets in eine Richtung nur.

Aber sollten sich die Massen
das mal nimmer bieten lassen,
ist der Ausweg längst bedacht:
Dann wird bisschen Krieg gemacht.


Kurt Tucholsky, 1930, veröffentlicht in "Die Weltbühne" 

Dem ist wohl 78 Jahr später nichts hinzuzufügen. 

Ein börsenfreies Wochenende wünscht 

Volker Weber....."

Anmerkung: Wie sich inzwischen herausgestellt hat, hat sich hier jemand mit fremden Federn geschmückt und das Gedicht stammt weder von Tucholsky noch wurde es bereits 1930 veröffentlicht.

Ich hab's trotzdem dringelassen: zum Einen ist das Gedicht ja inhaltlich trotzdem nett und zum Anderen zeigt es wieder einmal, das man immer kritisch hinterfragen soll :-)  Näheres unter:

www.giessener-anzeiger.de/sixcms/detail.php


 

nach oben

17.12.08 Noch'n Gedicht

".....Hier mal etwas anderes, lesen und schmunzeln! 

When the snow falls wunderbar
And the children happy are,
When the Glatteis on the street,
And we all a Glühwein need,
Then you know, es ist soweit:
She is here, the Weihnachtszeit

Every Parkhaus ist besetzt,
Weil die people fahren jetzt
All to Kaufhof, Mediamarkt,
Kriegen nearly Herzinfarkt.
Shopping hirnverbrannte things
And the Christmasglocke rings.

Merry Christmas, merry Christmas,
Hear the music, see the lights,
Frohe Weihnacht, Frohe Weihnacht,
Merry Christmas allerseits...

Mother in the kitchen bakes
Schoko-, Nuss- and Mandelkeks
Daddy in the Nebenraum
Schmücks a Riesen-Weihnachtsbaum
He is hanging auf the balls,
Then he from the Leiter falls...

Finally the Kinderlein
To the Zimmer kommen rein
And es sings the family
Schauerlich: "Oh, Chistmastree!"
And the jeder in the house
Is packing die Geschenke aus.

Merry Christmas, merry Christmas,
Hear the music, see the lights,
Frohe Weihnacht, Frohe Weihnacht,
Merry Christmas allerseits...

Mama finds unter the Tanne
Eine brandnew Teflon-Pfanne,
Papa gets a Schlips and Socken,
Everybody does frohlocken.
President speaks in TV,
All around is Harmonie,

Bis mother in the kitchen runs:
Im Ofen burns the Weihnachtsgans.
And so comes die Feuerwehr
With Tatü, tata daher,
And they bring a long, long Schlauch
An a long, long Leiter auch.
And they schrei - "Wasser marsch!",
Christmas is - now im - Eimer...

Merry Christmas, merry Christmas,
Hear the music, see the lights,
Frohe Weihnacht, Frohe Weihnacht,
Merry Christmas allerseits...

....."

 


nach oben

19.12.08 Das Feldsalat-Dilemma

".....Alle Jahre wieder….

Weihnachten ist doch jedes Jahr eine neue Herausforderung. Da tückischerweise die Wochentage auch noch wechseln ist der Frischmarkt wie gewohnt in heller Aufruhr.

Und wie fast jedes Jahr wird der Feldsalat knapp. Das ist tatsächlich meistens kein linker Trick der Erzeuger, sondern biologisch bedingt. 

Der Erntezeitpunkt des Weihnachts-Feldsalates lässt sich nur sehr ungenau planen, da er kurz nach der Aussaat im September bei gutem Wetter sehr schnell wächst und dann im November Dezember fast gar nicht mehr. Man kann also nicht mal auf Verdacht die doppelte Menge anbauen, da man in einem warmen Herbst dann Anfang Dezember auf Tonnen von Ware sitzt, die schnell überständig wird und nicht mehr zu verkaufen ist.

Also plant jeder Anbauer so, dass er bei normaler Witterung reichlich, aber nicht zuviel Ware hat. Eine zu trübe oder kühle Woche reicht dann schon aus um überregional für Knappheit zu sorgen. Wenn sich so etwas kurz vor den Feiertagen abzeichnet bricht börsenartige Panik aus. Man kann die Mäuseohren ja nicht zwei Wochen vorher kaufen um gut versorgt zu sein.

Das ist etwa so, als ob Ihre Aktien ein MHD von 4 Tagen hätten. So gesehen sind Salatanbauer und besonders die Händler wirklich coole Leute. Ich wette, dass „Bankenkrise“ ein Fremdwort wäre, wenn wir die entsprechenden Positionen bei den Banken mit Gemüsegroßhändlern besetzen würden. Die würden sich auch mit einem winzigen Bruchteil der sonst üblichen Gehälter zufrieden geben. Ich finde das ist eine Überlegung wert. ....."

 


 

nach oben

7.2.09 Sch...muddel Wetter und kleine Mandarinen-Kunde

"......Ich bin kein besonderer Anhänger von Büroarbeit. Heute Vormittag war ich
aber ehrlich froh, als mich mein Mitarbeiter auf dem Giessener Wochenmarkt
abgelöst hat und ich an meinen trockenen, warmen Schreibtisch durfte. Viel
unangenehmer kann Wetter kaum sein, oder?!

Und dann gibt es trotzdem Leute die brav Ihren Einkauf auf dem Wochenmarkt
erledigen, obwohl es auch kuschelige Supermärkte gibt. Damit ist die
Existenzberechtigung der Wochenmärkte mal wieder untermauert. Na bitte, so
kann man auch diesem Schmuddelwetter etwas Positives abgewinnen.

Meine Mitarbeiter in Gießen und Wetzlar haben jetzt das Schlimmste
überstanden, aber der arme Jörg muss noch ein paar Stunden auf der
Konstabler Wache ausharren.

Das Wetter und die Grippewelle sind gute Aufhänger um biologisches Vitamin C
unters Volk zu bringen. Orangen sind immer noch Umsatzstark. Die beliebten
Clementinen sind da schon schwieriger, da die Saison der "Klassiker" zu Ende
ist und damit die Qualität futsch ist.
Eine Alternative bieten interessante Kreuzungen zwischen Mandarinen
(Tangerine) und anderen Citrus Arten, die in der Nachsaison saftige Früchte
liefern.
Minneolas gehören zu den Tangelos, einer Kreuzung aus Mandarine und
Grapefruit (Tangerine X Pomelo). Entsprechend sind sie etwas säuerlich, aber
super fruchtig und frisch im Geschmack. Sie pellen sich im Gegensatz zu den
meisten dieser Kreuzungen sehr gut da von der Mandarinenseite "Easy Peeler"
eingekreuzt wurden.

Ab Montag haben wir mit den "Ortanique" die etwas süßere Alternative im
Programm. Die gehören zu Gruppe der Tangor (Tangerine X Orange). Der
Geschmack ist oft hervorragend, wenn auch die Schälbarkeit durch die
Orangen-Gene nicht ganz so toll ist.
Die Nomenklatur bei den Clementinen ist ziemlich verwirrend und zum Teil
auch nicht ganz eindeutig.

Man sieht, dass sich bei den Citrusfrüchten mit traditioneller Kreuzungs-
und Selektionszüchtung eine riesige Vielfalt an Sorten produzieren lässt.
Das ist bei ganz vielen unserer Kulturpflanzen so. Wenn man mit den
Handwerkern in der Pflanzenzüchtung redet, sind die meisten von der
Gentechnik ganz und gar nicht überzeugt. Man kann mit "handwerklicher"
Züchtung sehr viel erreichen. Es dauert halt ein paar Jahre bis eine Sorte
auf diesem Weg entstehen kann. "Gut Ding will Weile haben" trifft es in
dieser Hinsicht sehr gut.

Gentechnische Manipulationen bei Nahrungspflanzen haben mit Pflanzenzüchtung
meiner Meinung nach nichts zu tun. Sie ignorieren die Grundregeln der
Schöpfung aus einem einzigen Grund: Profit durch schnelles Produktdesign und
gezielte Abhängigkeitsstrukturen.

So tolle Früchte wie die Ortanique sind der lebende Beweis, dass es ohne
Gentechnik sicher nicht langweilig wird in der Obst- und Gemüseabteilung.

Und ich habe immer noch keine Grippe. Toitoitoi!

Schöneres Wetter und ein munteres Immunsystem wünscht

Volker Weber....."

 


 

 

nach oben

4.02.09 Volker auf dem Weg zum nächsten Level

Es gibt Tage, die erinnern einen an Computerspiele. Auf dem Weg zum Feierabend hat man dauernd mit neuen Hindernissen zu kämpfen. Ich hatte heute so einen Tag und bin ziemlich beeindruckt von der Kreativität des „Programmierers“. 

Als es heute Morgen den FI Schalter raushaute, war ich noch ganz entspannt. Nachdem sich aber die Ursache nach 20 Minuten immer noch nicht finden ließ, wurde ich schon etwas nervöser. Als der gerufene Elektriker auch nichts finden konnte und sich dann daran machte alle Nullleiter im Sicherungskasten abzuklemmen, wurde ich noch etwas nervöser. Nach ca. einer Stunde ohne PC, Telefon, Ladenkasse, Kaffeemaschine, Kühlung, Licht im Lager, usw. war das Problem zum Glück behoben. Ein Mitarbeiter hatte eine Deckenlampe mit dem Stapler touchiert und dabei ein blankes Kabel mit einer Metallstrebe der Decke in Verbindung gebracht. Cooler Gimmick.

Mein Zeitkonto schrumpfte beachtlich, was mittwochs dumm ist, weil viele Kunden auf die neue Preisliste warten, die eigentlich schon fertig war (Daten während der Arbeit nicht sichern gibt Minuspunkte, die sich beim Stromausfall verfünffachen…).

Ein weiteres Highlight war der Anruf vom Giessener Wochenmarkt, dass der LKW nicht anspringt. Kleiner Ausflug nach Gießen zum anschleppen und wieder 35 Minuten auf dem Zeitkonto eingebüßt.

Da hilft nur zäh bleiben und sich immer wieder dran erinnern, dass es ja nur ein Spiel ist.  

Wer auf Strategiespiele steht, ist beim Gemüsepoker genau richtig.

Unsere Strategie ist Qualität auf breiter Front, gemixt mit ein paar Schnäppchen für die Preisjäger...


nach oben

14.3.09 Kommunikationstraining 

Verflixt, schon wieder so spät. Nach meinem samstäglichen Wochenmarkteinsatz habe ich mich heute mit meinen zwei Erzeugerspezies getroffen, und zwar mit Gerhard Knies (Tollgrün) und Thomas Zell (Ackerlei). Jetzt ist noch etwas Zeit um sich mehr oder wenige konstruktive Gedanken für die kommende Saison zu machen. Solche Gespräche sind doch immer wieder sehr spannend, da man sich zwar ständig spricht, aber im Tagesgeschäft nicht über den tagtäglichen Kleinkram hinauskommt. Wenn man sich mal etwas Zeit nimmt, bekommt man doch viel mehr vom anderen mit und kann daraus manchmal richtig gute Ideen entwickeln.

Meine Frau behauptet übrigens hartnäckig, dass das auch im Privatleben ähnlich laufen könnte, wenn ich z.B. öfter mal vor 22:00 Uhr nach Hause käme. Da könnte was dran sein, glaube ich.

Jetzt aber schnell raus mit der Liste, damit wir auch ein paar Bestellungen rein bekommen. Von irgendetwas muss ja schließlich auch die Kinokarte und die Flasche Rotwein für den gemütlichen Abend bezahlt werden


nach oben

11.4.09 Volker auf der Pirsch

Ich hoffe der Osterverkauf ist bei allen bestens verlaufen. Ich bin jedenfalls sehr zufrieden und heilfroh mal etwas mehr als 4 Stunden Schlaf zu bekommen.

Das hätte bei mir auch schon von Donnerstag auf Freitag klappen können, wenn ich nicht die fixe Idee gehabt hätte, einem kapitalen Rotwildhirsch in den heimischen Wäldern aufzulauern (ohne Bewaffnung versteht sich). Der wollte sich aber just in dieser Vollmondnacht nicht da aufhalten, wo ich ihn zuletzt gesehen hatte. Das einzige, was sich bis zum Sonnenaufgang bewegt hat war ein Opel Astra, ein erschrockenes Wildschwein und meine Frau mit Hund, die neben mir auf dem Hochsitz gezittert haben. Ich fand es trotzdem nett und irgendwann erwisch ich ihn!

Ich wollte damit nur sagen: es lohnt sich wirklich bei dem Wetter auch mal früh morgens raus zu gehen (man kann ja hinterher wieder ins Bett). Allein der Höllenlärm, den die Millionen unsichtbarer Singvögel machen, sobald es ein Fitzelchen hell wird, ist ein einprägsames Erlebnis. Ich vermute die Sing-Euphorie rührt daher, dass die Piepmätze die ganze Nacht nichts sehen können auf ihren wackeligen Ästen und wenn sie dann feststellen, dass sie morgens noch nicht vom Ast gefallen sind, freuen sie sich natürlich tierisch. Das ist jetzt allerdings nicht wissenschaftlich erhärtet. 

Schöne Osterfeiertage und gute Erholung (draußen oder drinnen…) wünscht 

Volker Weber


nach oben

15.4.09 Alljährlicher Frühjahrsexkurs zum Bioanbau

Auch wenn das Wetter sicher nicht so schön bleibt, was auch gut ist, denn die Pflanzkulturen brauchen Wasser zum Anwachsen, haben wir jetzt einen unheimlichen Schub im Wachstum. Der Boden hat sich stark erwärmt und das wirkt auch noch nach, wenn es wieder kühler wird.

Im Bioanbau ist ein warmer Boden noch viel wichtiger, weil die Wärme die Aktivität der Mikroben sehr fördert. Dadurch werden organische Nährstoffe freigesetzt, die im Bioboden für das Pflanzenwachstum sorgen.

Mineralisch gedüngte, konventionelle Böden werden mit wasserlöslichen Düngesalzen versorgt, die kein Bodenleben brauchen um von der Pflanze aufgenommen zu werden. Die konventionellen Bestände wachsen dadurch gerade im Frühjahr deutlich schneller, da Sie mehr Wasser aufnehmen. Der Qualität und Widerstandsfähigkeit ist das verständlicherweise nicht zuträglich. Außerdem verkümmern die Mikroorganismen im Boden, die für ein natürliches, gesundes Wachstum im Sinne des Biologischen Landbaues unentbehrlich sind. 

Ich glaube diesen Exkurs gibt es von mir jedes Frühjahr. Ich versuche es immer mal anders zu formulieren, damit es nicht langweilig wird. Das Thema ist aber einfach essentiell wichtig, weil es das Wesen des Bio-Anbaues ausmacht, was oft vor lauter Handel und Markt in Vergessenheit gerät. 

Da ich es jetzt wieder mal angesprochen habe, kann ich mich beruhigt zurücklehnen und allen eine wunderbare Restwoche mit vielen fruchtbaren Mikro- und Makroaktivitäten wünschen! 

Volker Weber


nach oben

4.4.09 Karmapflege

Weil’s mit der Mailversendung über die Bioagro-Email so gut klappt, gleich noch mal die Preisliste. Es haben sich noch ein paar kleinere Änderungen ergeben, die ich niemanden vorenthalten möchte. Ein paar Artikel sind nämlich etwas günstiger geworden und wenn ich das nicht weitergebe ist das schlecht fürs Karma. So etwas kann man sich unmöglich erlauben, besonders wenn der Dalai Lama gerade in der Nähe ist. Mit dem will ich echt keinen Ärger!

 

Ein schönes, friedliches Wochenende

 

… und Freiheit für Tibet natürlich!


nach oben

16.5.09 Über Möhrlinge, Un-(Bei)Kräuter und ähnlich fruchtbares

Here comes the sun!

Regen ist ja schon und wichtig, besonders für die Landwirtschaft, aber man kann es ja auch übertreiben. Hoffentlich bleibt es jetzt mal ein paar Tage trocken und sonnig, damit die Felder wieder befahrbar werden. Viele Säkulturen, insbesondere die frühen Möhren, sind schon aufgelaufen - so nennt man das, wenn die nach der Keimung aus der Erde rausgucken. Laufen können sie ja leider nicht, sonst könnte man sie bitten sich mal kurz neben den Acker zu begeben, während man das Feld schön flächendeckend abeggt oder striegelt, um das ebenfalls reichhaltig vorhanden junge Unkraut zu vernichten (oder meinetwegen zu regulieren, wie es nach der Reformierung des Jugendschutzgesetzes heißt). Da die Möhren ihren Standort aber trotz heftigen Auflaufens nicht verlassen, ist man ab diesem Zeitpunkt gezwungen, sich mit dem Unkraut in der Saatreihe, also zwischen den Möhrlingen, mit der 2-Fingertechnik oder sonstigen uncoolen Methoden zu befassen. Der Zeitaufwand für diesen alljährlichen Marathon potenziert sich mit jedem Tag an dem man nicht aufs Feld kann. Das kostet richtig viel Geld und kann im schlimmsten Fall die gesamte Kultur unrentabel machen. Daher sollte man Bio-Möhrenanbauer in diesen Tagen nassen Wetters nicht unvorsichtig von hinten ansprechen; ihnen nicht versehentlich „Wasser“ anbieten und überhaupt die Konversation auf trockene Themen beschränken (z.B. Steueränderungen vor 1987, Öffnungszeiten von Postfilialen, Krallenpflege von Landschildkröten oder ähnliches).

Aber noch ist es nicht zu spät und die Hackmesser sind gewetzt.

Eine ähnliche Einstellung zum Regen haben im Moment die Erdbeerbauern. Nachdem es diese Woche die ersten reifen Früchtchen auf den Feldern gab, hätten ein paar warme Tage gereicht um wenigstens eine kleinere Menge für den Wochenendverkauf zu sichern. Bei Dauerregen kann man das leider vergessen und so gab es heute keine Erdbeeren, da ich mich von der spanischen und italienischen innerlich und äußerlich verabschiedet habe. Nächste Woche wird alles besser!

Eben habe ich mit Thomas Zell  (Ackerlei)telefoniert. Er hält sich tapfer, obwohl er Möhren UND Erdbeeren anbaut und seine Frau kurz vor der Entbindung steht. Das ist glaub ich kaum noch zu toppen. Jedenfalls meint er, es gibt einige gefüllte Erdbeerschälchen für den Wochenbeginn. Bei Stefan Becker vom Weilerhof sieht es ähnlich aus (dessen Frau hat die Entbindung gerade hinter sich – Ja, Biobauern haben nicht nur fruchtbare Böden…).

Genug spekuliert. Es kommt halt wie es kommt.

Ich wünsche allen sonnige, trockene Tage und gegebenenfalls eine angenehme Entbindung.

Volker Weber


nach oben

11.07.09  Über CMS Hybriden oder: warum unser Brokkolie so individuell ist   

Eine schlechte Nachricht vorab: unsere Blumenkohlprognose vom Mittwoch ist hinfällig. So schnell kanns gehen. Der Bestand sah am Mittwoch noch top aus, so daß wir von einem guten Ertrag ausgehen konnten. Gestern sah es dann erschreckenderweise anders aus. Die Kultur ist "stehengeblieben" und zeigt an den äußeren Blättern erste Aufhellungen. Erklärung kann nur sein, daß es auf der Fläche viel weniger oder fast gar keinen Niederschlag gab. Leider haben wir hier auf unseren verschiedenen Feldern manchmal sehr unterschiedliche Niederschlagsmengen, gerade bei Gewitterregen. Wir werden also vorraussichtlich nächste Woche nur kleine Mengen ernten können und müssen sehen wie es weitergeht.

Offensichtlich gibt es diese Probleme auch anderswo in Deutschland, da der Blumenkohlpreis deutlich gestiegen ist. 

Zum Thema Broccoli noch etwas aus dem Eingemachten:

Die Ansprüche der Kunden an das Aussehen und die Größe von Broccoli sind extrem hoch im Vergleich zu dem was die Pflanzen normalerweise hervorbringen. Ursprünglich wurde beim Broccoli eigentlich der Stängel verzehrt (daher früher auch Spargelkohl genannt). Heute erwartet man einheitliche dunkelgrün geknospte große Blumen, die dann auch noch mehrere Tage stabil bleiben sollen, bevor die Knospen ihrer eigentlichen Bestimmung nachgehen, sich gelb verfärben und in die Blüte gehen.

Die Züchtung hat sich also der Pflanze angenommen und mit allen Tricks und Kniffen versucht diesen Anforderungen gerecht zu werden. Gentechnische Veränderungen sind dabei natürlich für den Bioanbau nicht erlaubt.

Aber auch die erlaubten Methoden sind schon manchmal ziemlich weit von der natürlichen Selektionszüchtung entfernt. Bei der Züchtung von Hybridsorten erzeugt man zum Beispiel Nachkommen, die selbst keine Samen mehr produzieren aus denen man einheitliche Pflanzen (also sortenreine Pflanzen) nachziehen kann. Eine weitere Verfeinerung der Hybridisierung sind die sogenannten CMS Hybriden. Hierbei wird während des Züchtungsvorgangs eine cytoplasmatische (im Zellsaft bzw. den Mitochondrien definierte) männliche Sterilität (es werden keine fruchtbaren Pollen ausgebildet) etabliert. In den Linien, die das Saatgut für den Bauern erzeugen, wird diese CMS durch ein Gen wieder zertört, so daß fruchtbares Saatgut für die Landwirte entstehen kann.

Dieser ganze Zirkus ist zwar keine "Gentechnik" im klassischen Sinne, weil man nicht in den Genen, bzw. der DNS rumfummelt, aber so ganz astrein ist es trotzdem nicht, weil sehr tief in natürliche Abläufe in der Pflanze eingegriffen wird. Zu tief meint der Bioland Verband und hat daher die CMS Hybriden verboten.

Vertrieben wurden die CMS Sorten beim Broccoli zum größten Teil über den Saatgutzüchter "Seminis", der bezeichnenderweise von Monsanto aufgekauft wurde. Und spätestens hier ist dann Schluß mit lustig. Auch wenn Seminis die Sorten auch ohne CMS liefert, die damit auch den Bioland Richtlinien standhalten, kommt die Rechnung von Monsanto. Das ist für Gerhard Knies und mich nicht akzeptabel und daher nehmen wir den Rückschritt in Sachen Broccoli in Kauf und versuchen mit älteren, weniger "leistungsfähigen" Sorten zu arbeiten.

Wir bitten daher um Verständnis, wenn der Broccoli zumindest in den Sommermonaten kleiner und uneinheitlicher ausfällt. Im Herbst, der eigentlichen Anbauzeit für Broccoli, sollte man kaum einen Unterschied in der optischen Qualtiät bemerken...

... Ganz verständlich ist CMS auch bei Wikipedia beschrieben, falls jemand sich damit noch etwas eingehender befassen möchte. 

Genug Bio-Unterricht für heute! 

Ach ja, noch ein Tipp aus der neuen Preisliste. Die bunten Tomatensorten sind ohne diesen ganzen Zauber gezüchtet. Es sind sogar alte, samenfeste Sorten, die deshalb auch nicht so einheitlich aussehen, nicht wochenlang halten, aber trotzdem und gerade deshalb Spaß machen.

Ich bin gespannt auf den Wareneingang morgen Nacht.

 

Eine gentechnikfreies Wochenende und eine nette Woche wünscht

 

Volker Weber

nach oben

________________________________________________________________

15.10.09 Bäuerliche Landwirtschaft?

Schon wieder Ferien! Aber es sind die letzten für die nächsten Wochen – das tröstet etwas über die Umsatzflaute hinweg. Gerade hatte man sich an die steigende Nachfrage gewöhnt und dann wieder diese Herbstferien. Braucht kein Mensch, oder?!

Eigentlich sind die Herbstferien wohl mal erfunden worden, damit die jungen Leute bei der Herbstbestellung und Ernte helfen konnten. Leider ist das heutzutage ein wenig realitätsfremd, obwohl es sicher einige Jungs und Mädels gibt, denen das zeitweise Spaß macht, solange das Wetter schön ist und man nach 2-3 Std. wieder was anderes machen kann. Bei dem Stellenwert, den die Landwirtschaft hierzulande hat, muss man sich auch nicht wundern, wenn darüber kaum jemand ernsthaft einen Gedanken verschwendet. Und die paar Jugendlichen die sich trauen mal z.B. im Schulpraktikum Landwirtschaft live zu erleben, werden zum größeren Teil völlig zu Recht beschließen, dass Landwirt kein besonders verlockendes Berufsziel ist. Die paar hartnäckigen, die sich trotzdem dafür entscheiden – meist aus der Landwirtschaft stammend – reichen auch vollkommen aus, um die immer kleiner werdende Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe weiter zu führen.

Die bäuerliche Landwirtschaft, wie wir sie uns idealerweise vorstellen, bleibt bei dieser Entwicklung zunehmend auf der Strecke. Übrigens auch im Bio-Anbau.

Da fällt es der quotenheischenden Schlagzeilenpresse immer leichter zu verkünden, dass „Bio“ auch nicht besser sei als „konventionell“. Zuletzt hat das „Panorama“ eindrucksvoll in Szene gesetzt. Da sich für viele Biobetriebe die Frage des „Wachsen oder Weichen“ inzwischen genauso stellt, wie für Ihre konventionellen Kollegen schon seit 30 Jahren, hinterlässt das Spuren, die man sicher hinterfragen muss. Vor allem vor dem Hintergrund, wer diese Entwicklung bewirkt. Das sind nämlich in erster Linie wir Verbraucher und erst in zweiter Linie Machtinteressen in Politik und Industrie.

Wer den Panorama Beitrag kennt, sollte sich die sehr gelungene Stellungnahme in der „Schrot und Korn“ nicht entgehen lassen. Hier der Link dazu

http://www.naturkost.de/wp/2009/10/bio-schelte-vom-politmagazin-panorama/

Als Trost sei angemerkt, das die regionalen Erzeuger, die unsere Angebotsliste füllen, durchaus in die Kategorie „bäuerliche Landwirtschaft“ fallen. Da würden sie auch gerne bleiben und das klappt besonders gut, wenn wir ordentlich viel verkaufen zu ordentlichen Preisen. Und wenn die A-Brüder meinen, sie müssten auch Bioprodukte preislich in Grund und Boden stampfen, dann kann man das auch bewusst ignorieren. „Bewusst ignorieren“ könnte ziemlich viel bewirken, glaube ich.

Viel Spaß beim ausprobieren wünscht

Volker Weber

nach oben

_______________________________________________________________

7.11.09 Rodelika - oder warum's bei Spiderman mit den Frauen nicht klappt

Puh, das war heute eklig auf dem Markt. Im Novemberregen den Stand auf und abbauen hat Spaßfaktor -14 (ich glaube Guns N’Roses betreiben nebenberuflich auch einen Wochenmarktstand). Da hilft Vitamin C, womit wir beim Thema wären:

Ab nächster Woche gehen wir bei Orangen und Clementinen in die Vollen. Kalabrien lobt die aktuellen Qualitäten. Ab Dienstagnacht können wir selbst testen. Navelina-Orangen hatten wir schon diese Woche eine Charge aus Spanien, die gut gefallen hat. Leider zu schnell ausverkauft. Ab Sonntag haben wir reichlich Nachschub vom gleichen Lieferanten.

Nachschub braucht auch der tollgrüne Möhrenroder, der sich noch durch die letzten Reihen Rodelika Möhren quält. Der Boden ist inzwischen so nass, dass man maschinell nicht mehr durchkommt. Da wäre etwas mehr Schub manchmal ganz praktisch.

Die Sorte Rodelika, die wir seid zwei Wochen im Verkauf haben, wurde später reif und konnte daher nicht früher geerntet werden. Bei diesem Wetter Möhren zu ernten ist wirklich nicht lustig, besonders wenn die Technik versagt und die Grabgabeln ausgepackt werden müssen. Es wäre aber auch schade diese tollen Möhren den Mäusen zu überlassen.

Rodelika ist eine besonders gehaltvolle und aromatische Möhrensorte, die durch Kreuzung von alten Sorten wie „Rothild“ und „moderneren“, glatten Sorten.

Rothild war jahrelang der Standard für die Saftindustrie. Sehr aromatisch, sehr gute Inhaltsstoffe, sehr wenig Nitrat. Sie sieht aber grob und hutzelig aus, besonders wenn sie gewaschen ist. Da die Verbraucher glattschalige, zylindrische, schlanke Möhren schöner finden, hat die Züchtung versucht die Vorteile der „Rothild“ in eine frischmarktkonforme Sorte zu übertragen. Das erfolgreiche Ergebnis ist „Rodelika“

Das besondere an dieser Sorte ist, daß sie samenfest ist. Das bedeutet, man kann aus dem Samen einer „Rodelika“ Möhre immer wieder neue „Rodelika“ Möhren anbauen.

Praktisch alle Spitzensorten, die man im Handel findet, sind Hybriden. Hybriden sind nicht „samenfest“. Wenn man den Samen einer F1-Hybridmöhre sät, erhält man in der F2 Generation alles Mögliche, aber keine einheitliche Möhren. In 8. Schuljahr sagt man auch „die mendeln auf“.

Bei Hybridsorten ist man also darauf angewiesen, immer wieder F1-Saatgut beim Züchter zu kaufen, da die Möhrensamen praktisch nutzlos für den weiteren Anbau sind. Allerdings machen die Bauern das bei den samenfesten Sorten auch, weil keiner die Muse hat das Saatgut zu vermehren.

Demeter Bauern lehnen unter anderem aus diesem Grund Hybridsaatgut ab. Bei den anderen Anbauverbänden wird die Hybridzuchtmethode akzeptiert, vor allem um den Anforderungen der Verbraucher und des Handels nach einheitlicher Optik und bestimmten Produkteigenschaften gerecht zu werden.

Einige Gemüsesorten kommen ohne Probleme mit samenfesten Sorten aus (z.B. Kürbis, Rote Bete, …). Bei vielen Arten wären allerdings die Gemüseregale leer, wenn man die Hybridsorten herausräumen würde (Tomaten, Blumenkohl, …).

Hybridzüchtung hat allerdings nichts mit Gentechnik zu tun. Es ist vielmehr eine besondere Art der Kreuzungszüchtung, bei der man die Eltern vorher nach bestimmten Kriterien auswählt. Die Natur beschert dann durch den „Heterosis Effekt“ einen Super-Nachwuchs in der F1 Generation, mit dem man danach aber anbautechnisch nichts Vernünftiges mehr anfangen kann.

Das erklärt auch, warum Spiderman nicht mit Frauen klarkommt, aber das würde jetzt zu weit führen.

So, jetzt haben alle wieder was gelernt, bis auf die, die es schon wussten.

Spannend ist jetzt natürlich, ob der Leserschaft die „Rodelika“ auch besser schmeckt. Am besten gleich mal ausprobieren und bestellen!

Und nicht traurig sein wegen Spiderman. Der hat auch so schon genug Probleme am Hals.

Eine schöne, einheitliche, Super-Woche wünscht

der freundliche Gemüsegroßhändler von nebenan:

Volker Weber

 

"klick" zum vergrößern
nach oben


12.02.10 Was Schnecken und Mäuse im Winter träumen

"Ich kann es nicht lassen! Ich muss mal übers Wetter lästern. In meiner langjährigen Karriere als Marktbeschicker habe ich, glaube ich, noch nie so oft den Stand beheizen müssen, wie in diesem Winter. Und es scheint kein Ende in Sicht. Bis Mittwoch ist weiter Dauerfrost angesagt. Es gab Jahre, in denen wir um diese Zeit Frühmöhren im Freiland auf Dammkultur säen konnten, wenn die Dammkrone von der Sonne abgetrocknet war. Jaja, das waren die guten alten Zeiten vor der Klimaerwärmung!?! Da konnte man im Februar ordentlich Gemüse verkaufen, weil die Leute schon alle im Frühjahrslaune waren.

Trotzdem hat das Frostwetter durchaus bestimmt auch seine guten Seiten. Mir fällt nur gerade keine ein. Schädlinge wie Ackerschnecken oder Mäuse bekommen nur bei Kahlfrost kalte Füße (naja, Schnecken auch dann nicht….). Aber unter dieser Dauerschneedecke feiern sie vermutlich Après-Ski-Partys und freuen sich, dass die Greifvögel sie nicht erwischen können  - die Mäuse, - nicht die Schnecken! Schnecken machen unter der Schneedecke vermutlich nicht besonders viel, außer Überleben. Vielleicht träumen sie vom Frühling mit Fressorgien auf riesigen Rapsäckern und wilden Orgien in Bierfallen.

Na gut. Dann verkaufen wir halt regionales Lagergemüse, wie sich das um diese Jahreszeit gehört. Auf ein paar Flaschen Heizgas mehr oder weniger kommt es jetzt auch nicht mehr drauf an.

...."


nach oben


20.02.10 Was Mäuseohren vom Wetter halten

 

Es fällt mir schwer nicht schon wieder übers Wetter zu lästern, weil die 10-Tagesvorhersage so dermaßen gruselig ist, dass mir schon jetzt im warmen Büro ein Schauer über den Rücken läuft. Aber ich lasse mich nicht provozieren. Nein, es gibt ja auch noch andere Themen….

Aber Schneeregen und Temperaturen zwischen 0 und 5°C sind schon echt eine Zumutung um so kurz vorm Frühling.

Getreu dem Motto: „think positive“ kommt hier die gute Nachricht! Ich war vorhin bei Thomas Zell von Ackerlei und er freut sich über das Ende des Dauerfrostes, weil er jetzt endlich mal seinen Freiland Feldsalat ernten kann. Unglaublich aber wahr: unter dem Schnee und einer doppelten Vliesabdeckung hat der Feldi den Winter ganz wunderbar überstanden. Kaum gelbe Blätter, eine optimale Größe und das typische „Freilandaroma“. Hätten wir jetzt 20° C und Sonne würde sich das Volk auf Tomaten und Blattsalate stürzen und die 7000 m² Feldsalat von Thomas wären zum größten Teil „Winterzwischenfrucht“ und damit Futter für die Würmer. Nicht das ich denen nix Gutes gönne, aber die bekommen noch genug ab, wenn der Feldsalat geschnitten ist.

Ein Grund, warum dieser Wintersalat so hartnäckig aushält, ist sein hoher Gehalt an Inhaltsstoffen, die wie Frostschutzmittel wirken. Ein anderer Grund ist die Tatsache, dass der Ackersalat ein riesiges Wurzelwerk unter den Mäuseohren hat. Dadurch gelingt es ihm auch bei Bodenfrost noch an etwas Wasser zu kommen und damit das Frostschutzmittel aufzufüllen. Viele Winterpflanzen vertrocknen bei Frost und Wind, bevor sie erfrieren.

Diese Gefahr besteht ja nun bei Schneeregen weniger! Aus der Sicht eines Rapunzelsalates haben wir also prima Vorfrühlingswetter. Bingo!

Schöne Tage in der warmen, trockenen Stube wünscht

Volker Weber


nach oben


28.02.10 Unwetterwarnung

"...Wir hatten letzte Woche richtig gute Umsätze und ich hoffe es ist auch alles unters Volk gebracht worden. Das Wetter am Samstag war ja ganz ordentlich. Vielleicht hatten wir auch wieder ein paar Hamsterkäufer wegen der Sturmwarnung, wer weiß. Wird ja langsam zur netten Gewohnheit, dass man am Wochenende noch mal viel einkauft, weil möglicherweise schon wieder die Welt untergeht. Solange dann auch alles brav aufgegessen wird, soll’s mir recht sein. Und wenn am Montag die Welt nicht untergegangen ist, umso besser.

Also ich habe ja gehört ab nächsten Sonntag soll es mit üblen Überschwemmungen weitergehen. Möglicherweise werden alle Straßen, die zu Supermärkten, führen unpassierbar. Besser man deckt sich noch mal mit dem nötigsten ein!! Biogemüse soll ja besonders nahrhaft sein. Da überlebt man mit einer Kühlschrankfüllung ca. 30% länger.

Weitersagen!

 

Und schön festhalten beim Spazierengehen!

 

Volker Weber"

nach oben

 


11.03.10 Helden der Nacht

"Seit ich heute Mittag dieses Angebot auf unsere Homepage gestellt habe, grübele ich über einen informativen Text für die Rundmail. Aber bei diesem Wetter fällt mir einfach langsam nichts mehr ein.

Im Märzen der Bauer den Schneepflug anspannt….

Auf dem Feld passiert im Moment logischerweise nichts, außer das den Würmern inzwischen wohl langsam Fell wächst.

Auch die südeuropäische Biofraktion tut sich gerade schwer, weil an der spanischen Grenze eine 4 mm starke Eisschicht den Verkehr fast zum Erliegen bringt und die Franzosen mit nie gekannten Schneemassen konfrontiert werden.

 

Trotzdem sind wir fast lückenlos mit schöner Ware versorgt. Dank guten Partnern, die sich wirklich Mühe geben, dass die benötigte Ware auch unter diesen Bedingungen den Weg zu uns findet. Auf diesem Weg ein dickes Danke an alle LKW Fahrer, die sich seit Wochen jede Nacht aufs Neue mit klammen Fingern durch Sturmböen, Schneeverwehungen und Glatteis manövrieren.

Bei der Gelegenheit stelle ich doch gerade mal meine 7,5tonner-Helden der Nacht vor:

Wörni (Ralf Wörner)  Der Schumacher der 7,5 Tonner. Zuverlässig, gut beleuchtet (dank Stirnlampe), immer seiner geplanten Ankunftszeit voraus und kompromisslos gut gelaunt.

Börni (Bernhard) hat immer eine Gitarre im Ärmel, falls es mal längere Staus gibt.

Bernard (ohne h) fährt auch bei Schnee wie ein Uhrwerk, obwohl er Franzose ist.

Olli (Oliver Dienst) schwarz, breit, stark. Der Herr der Michelin Ringe und Leiter des Logistik Teams.

Jan (Jan) frisch von der Fahrschule und fährt schon wie ein Profi (außer rückwärts an die Rampe…)

Hartmut („der Harte“), wartet insgeheim darauf, dass ihm mal ein Baum vor den Laster fällt, den er dann mit seiner Stiehl zu Streichhölzern verarbeitet.

Man muss die Jungs einfach mögen, finde ich.

Damit ihnen nicht kalt wird, sollten die Bestellungen auch in den letzten (!!!) kalten Tagen möglichst üppig ausfallen. So einigermaßen warm wird einem erst ab 2 Paletten pro Abladestelle. Also ran an die Liste!

Volker Weber

 

 

nach oben


3.7.10 Weltmeisterschaft aus Gemüsehändersicht

Auch wenn ich mich in letzter Zeit seltener zu Wort gemeldet habe: ich bin noch nicht verdunstet!

Da ich in den nächsten Wochen und Monaten allerhand bei Tollgrün umstrukturieren möchte, musste ich öfter mal die Preislistenversendung an meine fähigen Mitarbeiter delegieren.

Inzwischen sind wir ja im Hochsommer angekommen und alles dreht sich um das Runde, das ins Eckige muss. Gemeint sind natürlich unsere Wassermelonen, die in den Kühlschrank müssen, denn kühl serviert bei 36°C Außentemperatur, sind die Teile fast so unschlagbar wie unsere Nationalboys. Um der Kühlschrankgröße und dem Platzbedarf von Flaschenbier und Co gerecht zu werden, bieten wir Mini- und Maximelonen an. Alles kernlos, damit bei spontanen Emotionsausbrüchen (z.B. „Pffffffffffui, … das war nie im Leben ne gelbe Karte“) nicht versehentlich ein Kerngewitter im Ausschnitt der Nachbarin landet.

Zum Knabbern empfehlen wir die neuen deutschen Möhrchen. Die sind auch gut für die Augen und man erkennt dann gleich viel besser, wie weit der Ball eigentlich doch hinter unserer Torlinie gelandet war. Möhrenexporte nach Südafrika sind von deutscher Seite übrigens bis nach dem Endspiel eingestellt worden.

Wer das nervtötende getrööte nicht mehr hören kann, dem empfehlen wir unsere sehr preiswerten Blattsalate, die man sich ,nach kurzem Anwelken in der Sonne, prima in die Ohren stopfen kann (besser ohne Dressing).

Sollten sich die Argentinier wider Erwarten doch irgendwie wehren und am Ende auf unerklärliche Weise zu mehr Toren kommen als unsere Helden, dann kann man sich im Handumdrehen mit einem Paar Tomaten auf den Augen, ganz aus der Realität ausklinken und weiter vom Weltmeistertitel träumen.

Aktuelle Statistiken belegen einen enormen Anstieg des Tomaten- und Salatverbrauchs in Italien, Frankreich und England.

Als Gemüsehändler können wir bei dieser WM also nur gewinnen und das sind doch super Aussichten, oder?!

Allen Gemüse- und Fussballfans wünsche ich ein erfolgreiches Wochenende und melde mich nach dem 3:2 im Halbfinale wieder.

 

Volker Weber