Wissenswertes über die Kartoffel
Alte Knolle, neue Hoffnung
Die Kartoffel ist mehr als nur eine Knolle
Sie ist Geschichte, Lebenseinstellung, Poesie und Kunst.
Sie ist aber auch Kampf ums Überleben, Wirtschaftsfaktor und Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

Der Weg nach Europa
Rund 8000 Jahre ist es her, dass Bauern im Andenhochland,in der Gegend um den Titicacasee, die ersten Kartoffeln anbauten. Die präkolumbischen Völker hegten und pflegten die Knolle, zahlreiche erhaltene Kultgefäße zeugen noch heute von der Verehrung, die sie der Kartoffel entgegenbrachten.
Zur Zeit der Inkas waren getrocknete Kartoffeln die übliche Marschverpflegung für die Soldaten.
In Europa umgab die fremdländische Frucht lange Zeit der Hauch des Exklusiven, sie zierte die Gärten der Fürstenhöfe und beschäftigte Botaniker.
Kirchenvertreter geißelten sie als Teufelszeug.
Erst Hungersnöte und Steuerlasten ebneten der Kartoffel den Weg auf die Äcker.
Rund 250 Jahre nach ihrer Ankunft in der Alten Welt hatte die Knolle in Europa den Status, den sie einst in ihrer Heimat hatte.
Sie war Volksnahrungsmittel.
Industrielle Revolution und Bevölkerungsexplosion im 19. Jahrhundert sind ohne Kartoffeln schwer denkbar.
Sie waren Frühstück, Mittag- und Abendessen der Armen in Stadt und Land
Die Krautund Knollenfäuleepidemie in den 1840er-Jahren machte das schmerzhaft deutlich.
Allein in Irland, wo die Krankheit besonders wütete, starb mehr als eine Million Menschen, anderthalb Millionen wanderten aus.
Globales Grundnahrungsmittel
Die mangelnde genetische Vielfalt der europäischen Kartoffeln hatte die Kraut- und Knollenfäule erheblich begünstigt.
Von den vielen Arten war nur die Art Solanum tuberosum nach Europa gelangt,alle Sorten stammten von ihr ab.
Ihnen fehlte die Widerstandskraft gegen die Krankheit.
Weltweit sind heute rund viertausend Kartoffelsorten bekannt,
dazu zweihundert Wildformen.
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist die Kartoffel weltweit das viert wichtigste Grundnahrungsmittel, nach Reis, Weizen und Mais.
Während in vielen Industrieländern der Kartoffelkonsum seit Jahren rückläufig ist, steigt er in den Entwicklungsländern kontinuierlich an. Die Knolle ist hier auf dem besten Weg zum Volksnahrungsmittel. Sie lindert Hunger und Armut, vor allem in ländlichen Gebieten, wo die Kartoffeln angebaut werden.
Die Knolle hat viele Seiten. Und viele Namen.
Arber, Erdäpfel,Grumbeere, Erdbirnen, Flezbirn, Grundbirn.
Vier Fünftel der KartStarke Mischung
Zerlegt man eine frische, ungeschälte Kartoffel mit hundert Gramm in ihre Bestandteile, erhält man:
Wasser 80 Gramm
Stärke 15 Gramm
Eiweiß 2 Gramm
Ballaststoffe 2 Gramm
Zucker weniger als 1 Gramm
Fett 0,1 Gramm
Vitamine 29 Milligramm
Mineralstoffe 500 Milligramm
Mit diesen inneren Werten bringt es die Kartoffel auf einen Energiegehalt von gerade mal 70 Kilokalorien je hundert Gramm, liefert dafür aber jede Menge wichtige Nährstoffe für unseren Körper.
Denn Kohlenhydrate, Eiweiß, Vitamine,Mineralstoffe und Ballaststoffe müssen wir jeden Tag essen, sonst werden wir krank.
Schon gewusst?
Mit einer Zweihundert-Gramm-Portion Pellkartoffeln können wir fast die Hälfte unseres täglichen Kalium- und Vitamin C-Bedarfs decken.
Hundert Gramm gekochte Kartoffeln enthalten mehr Eiweiß als hundert Gramm Mais.
Ein Hektar Kartoffeln produziert doppelt so viel Eiweiß wie ein Hektar Weizen.
Die Weltjahresernte an Kartoffeln liefert mehr Nahrung als die jährliche globale Fleisch- und Fischproduktion zusammen.
Die Kartoffel – ein Nachtschattengewächs
Kartoffelknollen sind die unterirdischen Vorratsspeicher der Pflanze. Ihre Früchte, die Kartoffelbeeren, sind ungenießbar, weil sie giftig sind.
Unterirdisch
Die Knollen, die wir essen, sind nicht die Früchte der Pflanze, sondern ihre Vorratsspeicher.
Diese sind das dicke Ende der unterirdischen Seitentriebe, die die Kartoffel im Verlaufe ihres Wachstums bildet.
Bis zu 20 solche Vorratsspeicher legt eine Kartoffelpflanze an.
Das ist das Geheimnis ihres hohen Ertrags.
Gleichzeitig dienen die Knollen der Fortpflanzung; aus ihren
Augen wachsen im nächsten Frühjahr die Triebe der neuen Kartoffelgeneration.
Bei der Knollenbildung legen die Pflanzen ein unterschiedliches Tempo an den Tag.
Die schnellsten brauchen dafür rund drei Monate, die langsamsten so um die fünf.
Oberirdisch
Nach dem Pflanzen der Kartoffelknollen im Frühjahr dauert es etwa fünf Wochen, bis die ersten Triebe und Blätter auf dem Acker sichtbar werden.
Die Pflanze wächst rasch und kann bis zu einem Meter und höher werden. Nach etwa zehn Wochen zeigen sich die ersten Blüten.
Ihre Farbe geht von reinweiß über zartrosa oder zartlila bis hin zu tiefen Blautönen. Das hängt von der jeweiligen Sorte ab.
Später bilden sich dann die Kartoffelbeeren, von denen jede etwa hundert Samenkörner enthält.
Diese Beeren sehen aus wie kleine grüne Tomaten, sind aber nicht essbar, denn sie enthalten Solanin.
Es ist ein Gift, das zu Schweißausbrüchen, Atemnot, Krämpfen und sogar zum Tod führen kann, wenn man zu viel davon isst.
Die Kartoffel gehört zur Familie der Nachtschattengewächse, so wie Tomate, Aubergine und Paprika.
Gottesgeschenk, 8000 Jahre alt
Vor 8000 Jahren bereits wurden in den Anden Kartoffeln angebaut.
Einer peruanischen Legende zufolge waren sie ein Geschenk Gottes, der so die Menschen vor dem Hungertod bewahrte.
Die Fakten
Die Heimat der Kartoffel sind die Anden. Archäologische Ausgrabungen haben ergeben, dass bereits vor 8000 bis 10 000 Jahren südöstlich von Lima die Knollen angebaut wurden.
Die Legende
Die Kartoffeln waren, so eine peruanische Legende, ein Geschenk Gottes für die völlig verzweifelten Hochlandbewohner. Ihr Land und ihre Dörfer waren von Fremden erobert worden, die sie systematisch verhungern ließen, um so an ihren Besitz zu kommen.
Die Not war groß, die Unterdrückten beteten zu ihrem Gott, der ihnen eine Handvoll große, fleischige Knollen schickte. Diese pflanzten sie in die Erde und schon bald erwuchsen daraus wunderschöne Pflanzen, die das Hochland mit ihren weißen und violetten Blüten schmückten. Als die Pflanzen abzusterben begannen, dachten die Eroberer, die Früchte seien reif, ernteten alle Beeren ab und freuten sich, dass die von ihnen Unterdrückten wieder nichts zum Essen hatten.
Das Hochlandvolk war verzweifelt und dem Hungertod nahe. Wieder beteten die Menschen zu ihrem Gott. Und plötzlich hörten sie eine Stimme.
Sie sagte: „Grabt in der Erde und fördert zutage, was ich dort versteckt habe, um das Böse zu täuschen und dem Guten zum Sieg zu verhelfen."

Sie taten, wie die Stimme sie geheißen mund fanden in der Erde die herrlichen Kartoffeln, die sie ernteten und versteckten.
Von nun an fügten sie jeden Morgen ihren kärglichen Rationen ein paar Kartoffeln bei und schon bald waren sie stark genug, ihre Unterdrücker zu verjagen.
Als diese sahen, dass sie besiegt waren, flohen sie und kamen nie wieder zurück, um den Frieden der Berge zu stören.
Die Kartoffeln und der Alte Fritz
Friedrich II. von Preußen, der Alte Fritz, war ein Kartoffelfan und der Schwager von Markgraf Friedrich zu Bayreuth.
Der Preußenkönig war davon überzeugt, dass die Knolle ein wirksames Mittel gegen die immer wieder auftretenden Hungersnöte war.
Energisch trieb er die Einführung der neuen Frucht in Preußen voran. So ließ er in den Jahren 1744 und 1745 in einer großen Kampagne kostenlos Kartoffeln im ganzen Königreich verteilen. Doch den Bauern war das neue Gewächs nicht ganz geheuer. Daran änderten auch die öffentlichen Kartoffelessen des Königs nichts.
Schließlich soll der König zu einer List gegriffen haben.
Er ließ, so wird erzählt, Kartoffeln pflanzen und den Acker bewachen.
Seinen Soldaten schärfte er ein, sie sollten wegschauen, falls die Bauern kämen, um die Knollen zu stehlen. Denn genau das wollte er erreichen – dass die Bauern dachten, Kartoffeln seien etwas ganz Wertvolles.
Doch nichts verhalf der neuen Frucht so richtig zum Durchbruch, daher erließ der Alte Fritz 1756 den so genannten Kartoffelbefehl und machte den Anbau zur Pflicht.
Aber erst der nachfolgende Siebenjährige Krieg ließ die Knolle zum preußischen Grundnahrungsmittel werden.
Vom Teufelszeug zum Arme-Leute-Essen
Kartoffeln wurden im 19. Jahrhundert, dem Zeitalter der Industrialisierung in Europa, das wichtigste Essen für die städtischen Fabrikarbeiter und die arme Landbevölkerung.
Der Hauch des Exotischen
Die ersten zweihundert Jahre nach ihrer Ankunft in Europa galt die Kartoffel als exotisch und exklusiv. In botanischen Gärten und an Fürstenhöfen pflanzte man sie wegen ihrer Blüten, die vielfach sogar mit denen von Orchideen verglichen wurden.
Kartoffelblüten waren als exklusiver Brautstrauß oder extravaganter Haarschuck beliebt.
Die französische Königin Marie Antoinette steckte sich noch Kartoffelblüten ins Haar, als in Preußen die Knollen schon längst Bauernessen waren. Außerdem rankten sich eine Menge Gerüchte um die neue Frucht.
Vor allem Kirchenvertretern schien die Knolle verdächtig.
Es sei eine Teufelsfrucht – der Teufel habe auf den Boden gespuckt und daraus sei dann die Kartoffel gewachsen.
Vermutlich war den Geistlichen zu Ohren gekommen, die Knolle habe eine aphrodisierende Wirkung. Ein anderer Minuspunkt war, dass die Kartoffel ein Nachtschattengewächs ist und damit zur gleichen Familie gehört wie die Hexenkräuter Tollkirsche, Stechapfel und Bilsenkraut.
Kalorien für die Fabrikarbeiter
Doch gegen die Hungersnöte und die einsetzende Bevölkerungsexplosion im Europa des 19. Jahrhunderts hatten Vorurteile und einstmalige Exklusivität keine Chance mehr.
Innerhalb weniger Jahrzehnte wurde die Kartoffel auf dem Kontinent zum Volksnahrungsmittel.
Armeleuteessen, das Millionen auf dem Land und in den Städten satt machte. Denn die beginnende Industrialisierung zog immer mehr Menschen in die Städte, wo viele von ihnen keineswegs den erhofften Reichtum fanden. Für diese neuen Armen waren die Kartoffeln die Hauptnahrung.
Parallel zur Industriellen Revolution wurde auch die Landwirtschaft revolutioniert.
Die einsetzende Mechanisierung und neue Anbauverfahren setzten Arbeitskräfte frei, die in der Industrie dringend benötigt wurden.
Gleichzeitig stiegen die landwirtschaftlichen Erträge. Nur so konnten die in ganz Europa benötigten Kartoffelmengen überhaupt erst produziert werden.
1884, hundert Jahre nach dem Durchbruch der Kartoffel, war Deutschland das weltweit wichtigste Erzeugerland, vor Russland und Frankreich.
Die Geschichte von Linda
Seit Jahren schon bewegt der Streit um Linda die Gemüter der Kartoffelfreunde.
Die Zuchtfirma hat sie abgemeldet. Bauern und Verbraucher wollen sie vor dem Aus bewahren.
Es war einmal
Es war einmal eine Kartoffel, die hieß Linda.
Sie war sehr beliebt bei den Verbrauchern, denn sie hatte eine schöne gelbe Farbe, eine feste Konsistenz und einen leckeren, cremig-buttrigen Geschmack. Mehr als ein Vierteljahrhundert lang erfreute sie die Gaumen der Kartoffelliebhaber, dann sollte sie ihnen genommen werden. Die Zuchtfirma meldete sie beim Bundessortenamt ab. Ein Aufschrei ging durch die Nation.
Den Kartoffelfreunden zuliebe vermehrten drei Bauern die Linda. Damit auch in Zukunft genügend der leckeren, cremig-buttrigen Knollen auf die Teller ihrer Liebhaber zu liegen kämen. Sie taten damit nichts Unrechtes, denn der Sortenschutz griff nicht mehr.
Das schmeckte der Zuchtfirma aber nicht, und so ließ sie per Gerichtsbeschluss die erzeugten Kartoffeln vorsorglich beschlagnahmen.
Das wiederum gefiel den Bauern nicht und sie legten Beschwerde ein. Der Kartoffelstreit schaffte es bis zum Oberlandesgericht in Celle. Und Linda war Zeitungen, Radio und Fernsehen so manche Schlagzeile wert.
„Rettet Linda!“
Lindas Liebhaber fanden sich zusammen und gründeten den Freundeskreis „Rettet Linda!“.
Linda 2010
"LINDA ist wieder da!
Bundessortenamt gibt grünes Licht für beliebte Kartoffel
Barum / Lüneburg, den 26.02.10. Der jahrelange Einsatz des Freundeskreises für die Kult-Kartoffel „Linda“ hat sich gelohnt. Nachdem im Sommer letzten Jahres schon in Großbritannien dem Antrag auf Neuzulassung von Linda stattgegeben wurde, hat nun auch das Bundessortenamt in Hannover grünes Licht für Linda gegeben. „Das ist ein schöner Erfolg für Bauern und Verbraucher. Wir haben einen langen Atem gehabt und nicht aufgegeben“, so Karsten Ellenberg, Kartoffelzüchter und Bioland –Bauer in Barum (Kreis Uelzen), der für den Freundeskreis den Antrag auf Neuzulassung gestellt hat..."
aus einer Presseerklärung des "LINDA Freundeskreis" vom 2.03.2010
Quellen: Wikipedia, Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften der UniversitätKassel, www.kartoffelvielfalt.de